von Daniela Berg
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1. März 2021
Am 01.03.2011 saßen wir in Neuss bei der Gewerbeanmeldung, um für unsere Idee der Falknerei Falken ultima "alles rechtlich abzusichern". Der Businessplan stand (Alfred hatte Monate daran herumgefeilt) und las sich wirklich vielversprechend. Schwerpunkt: Präsentation von Greifvögeln auf Mittelaltermärkten. Nun ja, zunächst brauchten wir mal einen Greifvogel. Es war ein Zufall und reines Glück, dass wir über das Angebot fielen: "Steppenadlerweib vom letzten Jahr zu verkaufen". Alfred fuhr dafür extra nach Bayern, um sich den Vogel anzusehen und kam mit Hera zurück. Damit gründete sich das, was heute Falken ultima ausmacht: Eine Leidenschaft und Herzblut für sehr spezielle und sehr besondere Tiere. Kerstin Nießen entwickelte das eingängige Logo, ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann Fabian erstellte die erste Website. Wir waren also startklar. Erste Anfänge Aber... ein Steppenadlerweib macht noch keine wirkliche Präsentation. Also liehen wir uns Vögel von befreundeten Falknern aus, um die Artenvielfalt für den Betrachter zu ermöglichen. Wilfried Aldag lieh uns Bavo, der kleine Sakerfalke mit dem Augenleiden und Wotan, ebenfalls ein Steppenadler, der bei früheren Besitzern falsch gehalten und somit verkrüppelte Fänge zurückbehalten hatte. Gemeinsam mit Hera zeichnete sie ihr durchaus friedliches Wesen aus. Mensch durften sie nähern, berühren und auf die Faust nehmen. So, wie wir es uns vorgestellt hatten. Erste Veranstalter gaben uns eine Chance, allen voran Charlie Kohleppel, der unser Potenzial erkannte und fasziniert war von unserer Detailverliebtheit auf Mittelaltermärkten. Wir stellten eben nicht nur Vögel auf und aus, sondern kamen pro-aktiv mit den Besuchern ins Gespräch. Die meisten gingen mit einem reichen Schatz an Wissen und Erfahrung nach Hause. Schnell wurde uns klar: Wir brauchen mehr Vögel, um in der Öffentlichkeit anschaulich erklären zu können, woher die Falknerei kommt und welchen Stellenwert sie nach 4.000 Jahren Geschichte auch heute noch besitzt. So kam Artemis zu uns. Eine Sakerfalkendame, die, gerade mal 64 Tage alt, 2012 zu uns stieß. Sie stand für unseren ersten Flyer Modell, der uns 10 Jahre begleitete, lange nach dem Artemis einem tragischen Unfall zum Opfer fiel und das Projekt "Falknerei Falken ultima" fast ins Wanken gebracht hätte. Hackhausen wird zur Heimat Bald wurde deutlich, dass der kleine Garten der Doppelhaushälfte, die wir bewohnten, nicht das bot, was wir benötigten, um den Businessplan langfristig umzusetzen. Also begaben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück, welches langfristig unsere Falknerei beherbergen sollte. In Jüchen-Hackhausen wurden wir schließlich fündig. Knapp 1.700qm Grundstück mit zwei schon ziemlich heruntergekommenen Fachwerkwohnhäusern. Es schien uns ein perfekter Ort zu sein. Vor allem, da nebenan auch ein Falkner wohnte, der Falknereizubehör herstellt und eigene Vögel im Garten hielt und züchtete. Großartig! Unsere Vision: Eine Falknerei zu erschaffen, in dem Seminare stattfinden können, Übernachtungsmöglichkeiten bereitstehen und eine Vielzahl an Greifvögeln und anderen Tieren zuhause ist. 2013 kauften wir das Grundstück und legten somit den ersten Grundstein für unsere Falknerei. Nun hieß es jeden Morgen und jeden Abend nach Jüchen zu pendeln, um die Vögel zu versorgen. Im April 2014 beendeten wir diesen Zustand und zogen komplett nach Hackhausen, um hier Schritt für Schritt unseren Lebenstraum zu verwirklichen. Weitere Vögel kamen dazu: Die Sakerfalken Pan und Eos sowie Uhu Thanatos 2015. Wir fabrizierten Spitzhütten und Flugdrahtanlagen und bauten unser Portfolio weiter aus. Besuche in Schulen, Kindergärten und Altenheimen folgten, die so gar nichts mit dem Thema Mittelalter gemein hatten - es sei denn, es war aufgrund von Projekten erwünscht. Die Anfragen für "Besuch beim Falkner" häuften sich, ebenso die Mittelaltermärkte und andere Events. Erweiterung des Portfolios Durch eine berufliche Umorientierung erlernte Alfred den Beruf des Schädlingsbekämpfers. Die Wahl hätte nicht besser sein können! Denn dadurch ergaben sich für uns ganz neue Möglichkeiten, die sich wunderbar mit der Falknerei als solches verbinden ließen. Die Aufträge stiegen erneut. Alles noch im kleinen Rahmen, aber doch merklich. Daher entschloss sich Daniela 2017, den Jagd- und Falknerschein zu machen , sodass Alfred die Aufgaben nicht mehr allein bewältigen musste. Allerdings ohne Waffenkunde, denn das Schießen mit Gewehren ist ihr bis heute nicht geheuer. Es ist zu laut! Für sie stand immer fest: "Ich habe meine Waffe später auf der Faust! Und jage recht lautlos." Im April 2018 legte sie erfolgreich zunächst den Jagdschein ab. Sie hatte hier natürlich das Glück, dass sie die gesamte Prüfmaterie gemeinsam mit ihrem Mann durchgehen konnte. Teilnehmer aus dem Jagdkurs kamen vorbei, um ebenfalls prüfungsrelevante Fragen zu stellen. Da die Falknerprüfung in NRW erst im März des Folgejahres möglich gewesen wäre, wich sie nach Hessen aus, wo die Prüfung im August erfolgreich bestanden wurde. Nun konnten wir gleichwertig den vielfältigen Aufgaben nachgehen. Aus- und Umbau der Falknerei Im gleichen Jahr kamen 5 Brutpaare aus Belgien zu uns. In einem erbärmlichen Zustand. Das Steppenadlerpärchen schaffte es leider nicht. Zu alt, krank und schwach waren die Tiere schon gewesen. Für die Rotschwanzbussarde Red und Scarlet, das Königsbussardpaar King und Queen sowie das eine Wüstenbussardpaar Pandine und Apollon sollte Falken ultima ein perfekter Brutplatz werden. Doch bis es soweit war, floss eine Menge Wasser den Rhein hinunter. Der Bau der dafür benötigten Volieren zog sich. Die Tiere blieben bis dahin in Düsseldorf bei einem anderen Falkner. Anfang 2020 konnten sie dann endlich einziehen. Das Wüstenbussardpaar dankte es uns mit zwei wunderschönen Jungvögeln. Es war aufregend, mitzuerleben, wie die Kleinen schlüpften und groß wurden. Viel Wissen verdanken wir hier dem Falkner Achim Diener, der leider im Mai verstarb. Das Wissen, das damit verloren ging, ist unersetzbar! Er bleibt uns nahe durch sein Gerfalkenpaar, das wir im Andenken an ihn erwarben, in der Hoffnung, dass wir es schaffen, Nachwuchs zu züchten. Corona verschaffte uns Zeit, die Falknerei weiter um- und auszubauen. Gleichzeitig rückte die Taubenvergrämung deutlich in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Kein Wunder: Events, Mittelaltermärkte, Besuche in Schulen und anderswo: Alles abgesagt und nicht erlaubt. Tauben verscheuchen hingegen geht durchaus. Innerhalb eines Jahres konnten wir fünf Kunden für uns gewinnen. Das verschaffte uns die Möglichkeit, mit Karolin Kirfel eine geprüfte Tierpflegerin einzustellen und Jasmin von Collrepp für das Backoffice zu gewinnen. Seit Februar 2021 sind beide fest angestellte Mitarbeiter von Falken ultima. Ausblick Wir blicken mit Stolz auf das, was wir in 10 Jahren erreicht und aufgebaut haben. Und wir sind noch lange nicht fertig! Für Karolin steht die Falknerprüfung an, nachdem sie im letzten Jahr innerhalb von 3 Wochen erfolgreich den Jagdschein absolvieren konnte. Wir hoffen auf weitere Kunden in der Vergrämung und Schädlingsbekämpfung und sehnen uns nach den Mittelaltermärkten, die hoffentlich irgendwann wieder stattfinden dürfen. Für Schule, Kindergärten und Seniorenheime entwickeln wir derzeit unser Natur pur Programm corona-konform, damit die Verantwortlichen ihren Schützlingen endlich mal wieder etwas Schönes anbieten können. Derweil reißen wir Schritt für Schritt die Fachwerkhäuser ab, um dort ein neues Wohnhaus zu errichten, in dem später einmal Seminare stattfinden können - so, wie wir es immer schon geplant hatten. Wir danken an dieser Stelle allen, die Falken ultima zu dem gemacht haben, was es heute ist. All jene, die an diese erste, eigentlich völlig verrückte Idee geglaubt haben. Uns begleitet haben, Ratschläge erteilt und weitere Ideen geliefert haben. Wir sind überaus dankbar, es bis hierhin geschafft zu haben. Und das ist ein Verdienst von vielen.